Digitale Transformation: Problemkind der deutschen Wirtschaft

Seit Jahren kämpft die deutsche Wirtschaft mit dem digitalen Wandel. Eigentlich sollte die Erkenntnis, dass die Digitale Transformation für Unternehmen aus allen Branchen große Chancen bietet, doch schon längst bei Geschäftsführern und Vorständen angekommen sein. Wie eine Befragung durch den Digitalverband Bitkom bestätigt, beklagen praktisch alle Unternehmen mehr oder weniger große Probleme bei digitalen Transformation.

Kein einziges Unternehmen gab an, dass die Digitalisierung ohne Hemmnisse verlaufe. Sieben Prozent wissen es nicht oder können keine Angaben machen. Die größten Schwierigkeiten ergeben sich bei den Dauerbrennerthemen wie Datenschutz und IT-Sicherheit, beim Personal sowie bei internen Abstimmungen. Vier von zehn Unternehmen bemängeln, dass die Anforderungen an den Datenschutz (38 Prozent) sowie die IT-Sicherheit (37 Prozent) die digitale Transformation behindern.

Digitalstrategie funktioniert nicht ohne Fachkräfte

Jeweils drei von zehn Unternehmen klagen, es fehle an Akzeptanz in der Belegschaft (29 Prozent) sowie geeigneten Fachkräften mit Digitalkompetenz (28 Prozent). Ähnlich häufig werden fehlende Vorgaben aus der Geschäftsleitung (27 Prozent) und langwierige Entscheidungsprozesse (25 Prozent) kritisiert. 16 Prozent sehen sich durch eine fehlende Investitionsbereitschaft behindert.

Business as usual? Die Digitale Transformation muss in die Köpfe der Entscheider rein! Quelle: Pexels.

Business as usual? Die Digitale Transformation muss in die Köpfe der Entscheider rein! Quelle: Pexels.

„Jedes Unternehmen muss für sich eine Digitalstrategie entwickeln. Wenn erst einmal klare Ziele festgelegt sind, wird die Abstimmung im Unternehmen viel einfacher“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Teil einer Digitalstrategie sollte auch die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern sein. Wer über qualifiziertes Personal verfügt, der kann auch mit Anforderungen durch den Datenschutz und mit dem zentralen Thema IT-Sicherheit deutlich besser umgehen.“

Digitale Transformation: Unternehmen blockieren sich selbst

Das Problem sitzt in den Köpfen aller Entscheider, was sich entweder durch fehlende Lösungskompetenz oder blanke Unkenntnis der Digitalisierung widerspiegelt. Natürlich sollten Unternehmen klare Erwartungen an die Politik haben, wie die Digitalisierung in Deutschland beschleunigt werden könnte.

„Die Unternehmen wollen mit der digitalen Transformation in Deutschland eine Erfolgsgeschichte schreiben. Entscheidend ist, dass alle Beteiligten bei den wichtigen Themen wie Sicherheit, Datenschutz sowie Aus- und Weiterbildung gemeinsam die richtigen Weichen stellen – dabei sind Unternehmen, Politik und jeder einzelne Mitarbeiter gleichermaßen gefordert“, schlussfolgert Rohleder.

Doch der Wandel wird nicht wie der Bitkom es immer wieder anprangert, nämlich mit einem flächendecken Breitbandausbau mit mindestens 50 Mbit/s, den zumindest 59 Prozent der Unternehmen fordern, sondern mit einem Paradigmentwechsel in den Entscheidungsstrukturen und einem hohen Eigenantrieb erfolgen. Erst dann kann die Digitalisierung durchstarten, wenn vor allem innere Barrieren reduziert werden. Egal ob ein höheres Engagement bei IT-Sicherheit, etwa mit mehr Mitteln für das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), sowie bildungspolitische Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel (je 52 Prozent) im Mittelpunkt stehen – eine digitale Wirtschaft braucht Motivation von oben.

Mike Schnoor

Mike Schnoor ist Senior Partner von Guts & Glory, der Manufaktur für die Digitalisierung von Marken, Unternehmen und Institutionen. Als Berater sorgt er dafür, dass Unternehmen sich im digitalen Wettbewerb hinsichtlich Kommunikation, Prozesse, Kreation und Social Media richtig positionieren können. Seine beruflichen Schwerpunkte liegen in der Digitalen Transformation, Kommunikation, Digital Strategy, Marketing, Public Relations und Social Media. Auf seinem persönlichen Blog mikeschnoor.com und im Magazin #DigiBuzz veröffentlicht er verschiedene Fachartikel zu seinem Themenportfolio. Folge @MikeSchnoor bei Twitter!

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