Digitalisierung krempelt den Buchmarkt um

Die Gedanken sind frei, wer kann sie niederschreiben? Den Autoren gehört die Macht, wenn sie digitale Texte und E-Books im Internet selbst veröffentlichen. Diese Form des Publizierens, die ohne einen Verlag im Hintergrund abläuft, ist nach einer Befragung durch den Digitalverband BITKOM bei vielen Lesern sehr beliebt. Fast jeder fünfte E-Book-Nutzer (18 Prozent) haben Inhalte von Self-Publishing-Autoren gelesen. Sogar 11 Prozent von ihnen gibt an, eigene Texte selbst publiziert zu haben.

„Die digitalen Medien eröffnen Autoren viele Möglichkeiten, mit ihren Werken auf den Markt zu gehen und neue Leser zu gewinnen“, sagt Timm Hoffmann, Bereichsleiter Digital Media beim BITKOM. „Wie erfolgreich Self-Publishing ist, zeigt ein Blick in die Verkaufscharts. Unter den hundert meist verkauften E-Books kommt gut die Hälfte von Self-Publishern.“

Die Self-Publishing-Werke zählen zu den oftmals preiswerteren Produkten aufgrund der fehlenden Verlagskonstellation. Dem BITKOM zufolge kennt die Mehrheit der befragten E-Book-Nutzer (87 Prozent) diese Form der Autorenschaft. Unter den Lesern von herkömmlich gedruckten Büchern finden sich immerhin 52 Prozent.

E-Book Reader wie der Amazon Kindle oder Tolino von Thalia finden sich in immer mehr Haushalten. Die Leser erfreuen sich an kostenfreien oder günstigen Werken von Self-Publishing-Autoren.

E-Book Reader wie der Amazon Kindle oder Tolino von Thalia finden sich in immer mehr Haushalten. Die Leser erfreuen sich an kostenfreien oder günstigen Werken von Self-Publishing-Autoren.

Meinungen zum Self-Publishing gehen auseinander

Rund ein Drittel (29 Prozent) glaubt daran, dass der Buchmarkt durch die günstigen Produktionen allein durch die Autoren noch größer und vielfältiger wird. Ein Viertel (25 Prozent) hingegen stimmt der Aussage zu, dass aus den Eigenpublikationen mehr Bücher hervorgehen, die ihrem persönlichen Geschmack entsprechen. Weitere 31 Prozent finden gut, dass die Texte dadurch preiswerter als andere Publikationen sind. Für 22 Prozent wirkt die Beziehung zwischen Lesern und Autoren von Self-Publishing-Texten deutlich intensiver.

Auf der anderen Seite vermisst knapp ein Viertel (24 Prozent) die klassische Qualitätskontrolle der Verlage. Selten kommen Self-Publishing-Autoren in den Genuss des Lektorats, der stilistischen Korrektur oder der Prüfung auf den gelungenen Lesefluss. Kein Wunder, dass rund 15 Prozent der Meinung sind, dass Self Publishing viele schlechte Bücher auf den Markt schwemmt.

Die steigenden Marktanteile kommen naturgemäß den freien Autoren zugute, während die Verlagsbranche das Nachsehen hat. Dennoch wirkt sich die Vielzahl an Publikationen, die aufgrund der fehlenden Buchpreisbindung zum Teil äußerst günstig oder gar kostenlos angeboten werden, für das Einkommen professioneller Autoren aus. In der Masse an konkurrierenden Titeln bleiben sinkende Erträge an einer einzelnen Publikation die Folge.

Self-Publishing stellt einige Hürden für Autoren auf

Darüber hinaus kommen rechtliche Herausforderungen in Form des Titelschutzes, des notwendigen monetären Rückhalts für Rechtsstreitigkeiten und der richtigen Darstellung eines Impressums zum Tragen. Für etwaige Hobbyautoren stellt dies kein Zuckerschlecken dar. Gewiss spielt in der Konkurrenzsituation vor allem die Akzeptanz der Autoren unter den Lesern eine gewichtige Rolle, wie auch ihre Präsenz im klassischen Buchhandel.

Die Frage der Digitalisierung dreht sich beim Selbstverlag also nicht nur um das Endprodukt, nämlich dem digitalen Inhalt in Form eines E-Books, sondern vielmehr um die Selbstdarstellung der Autoren in den digitalen Medien: Eine eigene Website, ein Twitter-Account, eine Facebook-Fanpage und eine kleine Community zum Austausch mit den Lesern sowie der klassische Rezensionsapparat in den diversen E-Book-Portalen erfordert viel Zeit und Pflege durch die Autoren. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt – auch am digitalen Buchmarkt gilt das alte Motto stellvertretend für die Digitale Transformation. Falls jetzt die Lust überwiegt, als Schreiberling aktiv zu werden, kann als Gastautor bei #DigiBuzz über die Digitale Wirtschaft schreiben oder sich an einem eigenen E-Book versuchen. Hierzu bietet die t3n eine erste Hilfestellung in Form von 10 Tipps für das Self-Publishing, während die Self-Publisher-Bibel für Fortgeschrittene das Thema vertieft.

Mike Schnoor

Mike Schnoor ist Senior Partner von Guts & Glory, der Manufaktur für die Digitalisierung von Marken, Unternehmen und Institutionen. Als Berater sorgt er dafür, dass Unternehmen sich im digitalen Wettbewerb hinsichtlich Kommunikation, Prozesse, Kreation und Social Media richtig positionieren können. Seine beruflichen Schwerpunkte liegen in der Digitalen Transformation, Kommunikation, Digital Strategy, Marketing, Public Relations und Social Media. Auf seinem persönlichen Blog mikeschnoor.com und im Magazin #DigiBuzz veröffentlicht er verschiedene Fachartikel zu seinem Themenportfolio. Folge @MikeSchnoor bei Twitter!

Das könnte dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.