Mobile Marketing: Zwischen Kinderschuhen und Enthusiasmus

Bereits zum zehnten Mal feierte der Mobile World Congress in Barcelona sein Bestehen und wartete mit zahlreichen Superlativen auf. Die Zahlen sprachen für sich, als über 93.000 Besucher aus 200 Ländern in sieben großen Hallen die Weltneuheiten wie Samsungs dreiseitiges Smartphone, HTCs virtuelles Headset oder jede Menge Wearables zu sehen bekamen. Wie stand es dabei jedoch um Mobile Marketing, einer der schon fast klassischen Disziplinen der Werbewelt? Zeit für ein kleines Resüme mit drei Branchenvertretern im exklusiven Gespräch mit #DigiBuzz – Das Magazin für das Digital Business.

Offenbar fand Mobile Marketing auf dem diesjährigen Mobile World Congress für viele Besucher und Pressevertreter entweder zu weit vom großen Buzz der Handyhersteller entfernt statt. Oder das Thema braucht einfach mehr Anschub in puncto Relevanz. Zwar konnte die Ausstellungsfläche in Barcelona sich verdoppeln, aber trotz dieses Wachstumsschubs stellt die Situation des offenkundigen Desinteresses der Besucher sowohl Aussteller als auch Branchenvertreter vor die klare Herausforderung, über den Tellerrand zu blicken und die Wahrnehmung von Mobile Marketing noch deutlicher zu steigern.

Mobile Marketing besitzt laut Jay Stevens (Rubicon Project), Christophe Parcot (Teads) und Cameron Hulett (Undertone) großes Wachstumspotenzial (v.l.n.r.). Quelle: Unternehmen

Mobile Marketing besitzt laut Jay Stevens (Rubicon Project), Christophe Parcot (Teads) und Cameron Hulett (Undertone) großes Wachstumspotenzial (v.l.n.r.). Quelle: Unternehmen

Jay Stevens, General Manager International bei Rubicon Project: „Tatsächlich sind die Investitionen in mobile Werbung im Vergleich zu anderen Kanälen noch recht blass. Das ist schon erstaunlich, denn zahlreiche Studien berichten, dass die Leute inzwischen bis zu 200 mal pro Tag auf ihr Smartphone schauen. Die erhebliche Lücke zwischen den Budgets für mobile Werbung und der exponentiell wachsenden Zeit, die Konsumenten weltweit mit ihren mobilen Geräten verbringen, beginnt sich langsam zu schließen.“

Einen vergleichbaren Aufschwung für Mobile Advertising sieht auch Christophe Parcot, COO von Teads: „In den letzten Jahren wurde viel über Mobile gesprochen, aber dieses Jahr werden die Technologien und das Targeting auch in die Realität umgesetzt.“

Cameron Hulett, Executive Diretor EMEA bei Undertone ergänzt: „In Barcelona herrschte die generelle Ansicht, dass Mobile ‚erwachsen‘ wird, denn der Kanal ist heute ein wichtiger Bestanteil unseres täglichen Lebens geworden.“

Das haben natürlich auch Markenunternehmen erkannt, die zunehmend Budgets in Richtung Mobile verschieben. Für Jay Stevens zur rechten Zeit: „Ein deutlicher Zuwachs an qualitativ hochwertigen Werbeflächen sowie das Wachstum von In-App-Plattformen wie dem inMobi Exchange führen dazu, dass Marken diesen Kanal besser verstehen möchten.“

Dabei sieht Christophe Parcot einen Zuwachs an TV-Budgets in den mobilen Kanal fließen: „Das Sehverhalten verändert sich rapide. Das merken auch die Werbungtreibenden. Allerdings gab es bislang wenige Alternativen zur Fernsehwerbung, denn Qualitätsumfelder für Bewegtbildwerbung waren sehr rar. Durch die Erschließung von redaktionellen Inhalten außerhalb von Video-Content ist diese Knappheit beseitigt. Die TV-Budgets werden zunehmend in Online-Kanäle verschoben, um den veränderten Sehgewohnheiten Rechnung zu tragen.“

Im Vergleich zu den Hardware-Neuheiten spielt Werbung auf dem Mobile World Congress nach Ansicht von Hulett eine untergeordnete Rolle: „Es ging mehr um Dinge als um Anzeigen.“

Besonders das sogenannte Internet-of-Things wird seiner Meinung nach unsere Welt in den nächsten fünf Jahren deutlich verändern. „1995 begann das Internet, jeden Computer zu verbinden. 2015 ist der Startpunkt an dem das Internet-of-Things jede Sache verknüpft. Diese Technologie wird alle Branchen maßgeblich beeinflussen“, kommentiert Hulett.

Wer in der Welt der digitalen Werbung bereits arbeitet, sei bestens positioniert, um auf diese Veränderungen erfolgreich zu reagieren. Diesem Enthusiasmus schließt sich Jay Stevens an: „Nach 2015 hoffen wir, dass die Umsatzzahlen für mobiles Marketing genauso beeindruckend sein werden, wie die Technologie, auf der die Anzeigen ausgespielt werden.“

Der Mobile World Congress mag für Mobile Marketing noch nicht die ideale Plattform sein. Den Löwenanteil an der Aufmerksamkeit erhalten die B2C-Technologieanbieter und Hersteller, die klassisch am Endkunden ansetzen. Hingegen müssen Business-Anwendungen, zu denen naturgemäß Mobile Advertising zählt, um ihr Standing kämpfen. Vielleicht bietet der Mobile World Congress nicht die richtige Bühne für Mobile Marketing, denn wie sich vor vielen Jahren der Bundesverband Digitale Wirtschaft von der CeBIT loslöste und mit der Online-Marketing-Düsseldorf (OMD) und später der dmexco in Köln das Marketing-Mekka für die Digitalbranche etablierte, können Konzentration und Rückbesinnung auf die Kernwerte des Werbegeschäfts helfen, Mobile Marketing im internationalen Flair der dmexco zu fokussieren. Wenn Mobile dann aus dem Schatten von Online-Marketing selbstbewusst heraustreten kann, und nicht immer als Verlängerung oder kleiner Bruder angesehen wird, wird sich das Standing auf anderen Events deutlich erhöhen können.

Mike Schnoor

Mike Schnoor ist Senior Partner von Guts & Glory, der Manufaktur für die Digitalisierung von Marken, Unternehmen und Institutionen. Als Berater sorgt er dafür, dass Unternehmen sich im digitalen Wettbewerb hinsichtlich Kommunikation, Prozesse, Kreation und Social Media richtig positionieren können. Seine beruflichen Schwerpunkte liegen in der Digitalen Transformation, Kommunikation, Digital Strategy, Marketing, Public Relations und Social Media. Auf seinem persönlichen Blog mikeschnoor.com und im Magazin #DigiBuzz veröffentlicht er verschiedene Fachartikel zu seinem Themenportfolio. Folge @MikeSchnoor bei Twitter!

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