Smart Mobility: Chancen und Herausforderungen für den digitalisierten Automobilmarkt

Digitale Technologien gewinnen unaufhaltsam an Bedeutung und verändern die Wertschöpfungsstruktur in fast jeder Wirtschaftsbranche. Für die einstigen Platzhirsche und Marktführer bringt der Wandel sowohl Chancen als auch Gefahren. Das Beratungsunternehmen Mücke, Sturm & Company glaubt, dass Smart Mobility den Markt für Mobilitätsdienstleistungen dramatisch verändern wird.

Deutschland im Dilemma: Aussitzen der Digitalisierung

Seit langer Zeit gilt Deutschland als einer der größten Automobilproduzenten weltweit. Trotz verschiedener Rückschläge wie die VW-Affäre feiern die deutschen Autobauer gerade im Premiumsegment einzigartige Exporterfolge. Ein digital getriebener Strukturwandel wirkt sich in der Automobilbranche besonders stark aus, weil der Wohlstandsbeitrag dieser Industrie volkswirtschaftlich enorm zu bewerten ist. Jedoch hat sich die deutsche Automobilindustrie zu lange ausgeruht. Im Vergleich zu anderen Ländern steckt die Nutzung von internetfähigen Services im PKW hierzulande noch in den Kinderschuhen.

Zwar zeichnet sich ein immenses Interesse an Smart Mobility sowohl auf Seiten der Anbieter als auch bei den potenziellen Nutzern ab. Jedoch erzeugen die verschiedensten Interessenlagen wiederum zahlreiche Herausforderungen, die das Marktwachstum prägen. Zum Einen ändert sich das Verhalten der Nutzer sich zusehends. Sie erwarten nahtlose Übergange von Smartphone-Inhalten zum Auto. Obendrein soll das Auto als „nur ein weiteres Mobile-Device“ ohne Einschränkung nutzbar sein. Hingegen wird der Besitz eines eigenen Autos für viele Fahrer immer weniger relevant, denn einschlägige Carsharing-Anbieter wie Car2Go, DriveNow oder Cambio erfreuen sich zusehends in urbanen Ballungszentren an Beliebtheit. Bereits über eine Million Fahrer sollen in Deutschland an den Carsharing-Programmen teilnehmen. Deutschland befindet sich im Dilemma, weil Angebot und Nachfrage immer stärker auseinander driften, während die Marktnischen von neuen Akteuren erobert werden. Das Aussitzen der Digitalisierung kann zu folgeträchtigen Wettbewerbseinbußen führen.

Smart Mobility profitiert von Marktverschiebungseffekten

Nach Ansicht von Mücke, Sturm & Company zeigt sich der Markt sehr kompetitiv, weil neben den einst marktdominierenden Automobilherstellern mittlerweile zahlreiche Telekommunikationsanbieter ihre Expertise und ihre Infrastruktur gegen den Wettbewerb ausspielen können. Vernetzte Fahrzeuge werden somit nicht mehr ausschließlich von Original Equipment Manufacturers (OEMs) wie BMW, Ford, Mercedes, Audi oder Volkswagen dominiert. Vielmehr spielen die Kommunikations- und Softwareanbieter, darunter Aeris, Jasper, Google und Apple eine zunehmend entscheidende Rolle. Dieses neue Marktsegment teilt sich wiederumauf in Plattform- und Serviceanbieter, OEMs, Anbieter von Telekommunikation-Infrastruktur und Automobilzulieferern. Gerade hier trifft die teils startup-haftige, rasante Entstehung von Innovationen aus der digitalen Wirtschaft auf die eher langen Entwicklungszyklen in der Automobilbranche. Im Idealfall finden beide Seiten einen gemeinsamen Mittelweg, um Smart Mobility als greifbare Alltagstechnologie zu etablieren, oder die Automobilhersteller werden wie im Fall von Tesla von einem ganz neuen Marktakteur überrascht, dessen Innovationspotenzial im Staccatotakt die Marktbedingungen drastisch verschieben wird.

Produktverkauf nimmt ab, Gewinner sind komplexe Services

Die Vision für den Smart Mobility Markt soll laut Mücke, Sturm & Company mit einem klaren Fokus besetzt werden: Das vernetzte Auto soll ein unabdingbarer Teil des digitalen Ökosystems und damit der Mobilität werden. Bereits heute verfügbare Technologien können den Weg zu einem vollständig vernetzten und smarten Auto ebnen, während die Services zunehmend in das Zentrum des vernetzten Auto-Ökosystems rücken.

Diese gesamte Entwicklung rund um Smart Mobility führt zu einer Bewegung des gesamten Automobilmarkts. Statt den Verkauf einzelner Produkte zu forcieren, wird dieses Vorgehen durch den Verkauf komplexer Services abgelöst. In nahezu allen Sektionen des Autos sollen durch Connected Services zusätzliche Mehrwerte und neue Angebote entstehen, welche eine Autofahrt nicht nur komfortabler, sondern auch deutlich sicherer machen sollen. Bis zum Jahr 2020 soll insbesondere in puncto Sicherheit und autonomes Fahren ein enormes Wachstum am Markt zu spüren sein.

Smart Mobility in Deutschland. Quelle: Mücke, Sturm & Company

Smart Mobility in Deutschland. Quelle: Mücke, Sturm & Company

Mike Schnoor

Mike Schnoor ist Senior Partner von Guts & Glory, der Manufaktur für die Digitalisierung von Marken, Unternehmen und Institutionen. Als Berater sorgt er dafür, dass Unternehmen sich im digitalen Wettbewerb hinsichtlich Kommunikation, Prozesse, Kreation und Social Media richtig positionieren können. Seine beruflichen Schwerpunkte liegen in der Digitalen Transformation, Kommunikation, Digital Strategy, Marketing, Public Relations und Social Media. Auf seinem persönlichen Blog mikeschnoor.com und im Magazin #DigiBuzz veröffentlicht er verschiedene Fachartikel zu seinem Themenportfolio. Folge @MikeSchnoor bei Twitter!

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2 Antworten

  1. 1. Dezember 2015

    […] Während sich Volkswagen in der CO2-Krise steckt und der amerikanische Hersteller Tesla mit Elektroautos und Autopilot per Software-Update aufwartet, wird die Digitalisierung von den deutschen Autoherstellern weitestgehend ausgesessen. Welche Chancen und Herausforderungen Smart Mobility Automobilmarkt bergen, erklärt Mike Schnoor. […]

  2. 21. Dezember 2015

    […] ist der Netzausbau aber da, gerade außerhalb von Städten kann es aber Probleme geben, was gerade im Auto und auf Terminen nicht so gut […]

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