Social TV: Startup „Viewple“ möchte Stimme der TV-Zuschauer visualisieren

Fernsehen sei ein Ankerpunkt unserer Gesellschaft. Doch durch digitale Services und Kommunikationsangebote verliert der gemeinsame Flimmerabend immer mehr an Bedeutung. Über das Koblenzer Startup „Viewple“ sollen sich die Zuschauer mit anderen Nutzern über das TV-Geschehen in Echtzeit oder zeitversetzt beim Konsum von Video on Demand austauschen. Beginnt jetzt endlich doch die Ära von Social TV und wie können die generierten Daten verwendet werden?

Natürlich definiert das Wunschdenken vieler Medienmenschen das Fernsehen als eine unterhaltende, emotionalisierende und vor allem soziale Aktivität. Freunde und Familie treffen sich zu gemeinsamen Fernsehabenden auf dem heimischen Sofa. Doch diese gute alte Zeit hat sich drastisch verändert, denn immer seltener finden sich Menschen überhaupt zusammen, um gemeinsam eine TV-Sendung zu sehen. Diese gesellschaftliche Veränderung spiegelt sich in der wachsenden Kommunikation im Internet wieder.

Viewple möchte Interaktionen der Nutzer visualisieren und auswertbar machen. Quelle: Unternehmen.

Viewple möchte Interaktionen der Nutzer visualisieren und auswertbar machen. Quelle: Unternehmen.

Blicken wir dazu einige Jahre zurück. Irgendwann im Jahr 2007, vielleicht erst 2008, wurde kurz nach dem Markteintritt von Twitter und dem Erwachen vieler Online-Videoportale wie YouTube, sevenload, Clipfish und MyVideo in Deutschland das Modewort „Social TV“ eingeführt. Über die sozialen Netzwerke konnten Fernsehzuschauer gemeinsam eine Sendung oder einzelne Videostreams kommentieren. Über die Zeit fanden sich immer mehr Interessierte, so dass Social TV in der Mitte der Gesellschaft ankommen durfte. Heutzutage erfolgt Social TV durchaus einfach: Die Nutzer kommentieren das Geschehen einer Sendung über einen bestimmten Hashtag, der meist gleichnamig wie die Sendung, z.B. #Tatort oder #DSDS, genannt wird. Jetzt möchte „Viewple“ als Social-TV-App in dieser Marktlücke durchstarten und die Kommunikation der Zuschauer vereinen.

Viewple ist eine Ausgliederung von der Koblenzer Agentur 247Grad, die nicht nur beim linearen Fernsehen, sondern auch beim Betrachten von Video on Demand für Interaktion sorgen soll. Kommentare und Tweets werden auf der Smartphone-App so eingeblendet, als würde der Nutzer das jeweilige Programm live mitverfolgen. Jeder Kommentar der Nutzer besitzt eine Zeitmarke, die über einen direkten Vergleich mit der aktuellen Sendungsdauer zugewiesen wird. So lassen sich ebenfalls Online-Mediatheken oder Video-on-Demand als Social TV definieren, obwohl keine Interaktion in Echtzeit, sondern als „aus der Konserve“ abgespeicherten Version dem Nutzer vorgetäuscht wird.

Kann Video on Demand im Sinne von Social TV  wirklich funktionieren? Quelle: Unternehmen.

Kann Video on Demand im Sinne von Social TV wirklich funktionieren? Quelle: Unternehmen.

Interessant dabei wird die Funktion der sogenannten „Social Voice“. Hiermit möchte Viewple ein Instrument anbieten, das die gemeinsame Stimme der Zuschauerschaft visualisiert. Ein zeitbasierter Graph zeigt durch die Stärke seines Ausschlags an, wann es während einer bestimmten Sendung in den sozialen Medien besonders heiß herging. Interaktion bedeutet schließlich, dass die Zuschauer sich mit dem jeweiligen Inhalt auseinander setzen. Als Ergänzung zur bekannten Einschaltquote könnte diese Datenanalyse helfen, die verloren gegangenen Zuschauer für die werbetreibende Industrie wieder messbar zu machen. Sollte dieser Weg durch Viewple eingeschlagen und am Markt angenommen werden, zeigen sich erwartungsgemäß nur wenige Wochen später die ersten Copycat-Anbieter.

In Deutschland soll die App Anfang September für iOS und Android veröffentlicht werden. Ein achtköpfiges Team arbeitete rund ein Jahr an der Entwicklung. Die Finanzierung stemmte die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB). Nach dem Deutschlandstart möchte das Koblenzer Startup in die internationale Expansion investieren. Ob der durch Viewple verfolgte Ansatz von Social TV für die Nutzer das Momentum bedeutet, sich von ihrer mittlerweile gewohnten Umgebung in Twitter auf eine weitere Mobile App zu fokussieren, darf mit gewisser Spannung verfolgt werden. Sollte sich jedoch keine breite Nutzerschaft für Viewple innerhalb kürzester Zeit finden, ist das Projekt schnell zum Scheitern verurteilt. Helfen kann eine große Mediakampagne, die senderübergreifend die Viewple-App bewirbt. Bislang erfreuen sich die Sender jedoch daran, ausschließlich ihre Hashtags zu den verschiedenen Sendungen einzublenden. Sollte hier ein Konsenz gefunden werden, hat Viewple durchaus Potenzial in den typischen werberelevanten Zielgruppensegmenten für Begeisterung zu sorgen. Wir dürfen gespannt sein!

Mike Schnoor

Mike Schnoor ist Senior Partner von Guts & Glory, der Manufaktur für die Digitalisierung von Marken, Unternehmen und Institutionen. Als Berater sorgt er dafür, dass Unternehmen sich im digitalen Wettbewerb hinsichtlich Kommunikation, Prozesse, Kreation und Social Media richtig positionieren können. Seine beruflichen Schwerpunkte liegen in der Digitalen Transformation, Kommunikation, Digital Strategy, Marketing, Public Relations und Social Media. Auf seinem persönlichen Blog mikeschnoor.com und im Magazin #DigiBuzz veröffentlicht er verschiedene Fachartikel zu seinem Themenportfolio. Folge @MikeSchnoor bei Twitter!

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1 Reaktion

  1. Christian sagt:

    Hört sich gut an, muss aber
    1. als App erscheinen,
    2. sich gegen Couchfunk und
    3. gegen das profane Twitter durchseten

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