Studie unter YouTube-Nutzern: Bewegtbild macht sie zu den besseren Menschen im Internet

Von einer Konferenz zur nächsten schwappt sehr oft das typische Mantra der Digitalbranche über: Die junge, hippe und trendige Zielgruppe hockt den lieben langen Tag vor dem Rechner und schaut sich ihre YouTube-Stars an. Doch das ganze Tamtam um die Digital Natives und ihre YouTube-Manie ist blanker Unsinn. Die YouTube Global Audience Study von Google Deutschland offenbart durch eine Befragung unter 1.509 deutschen Internetnutzern, dass mehr als die Hälfte aller YouTube-Nutzer 35 Jahre und älter ist.

Am beliebtesten unter den deutschen YouTube-Nutzern sind unterhaltende Videos, Musik und Filme. An zweiter Stelle stehen Do-it-yourself-Videos, die von Kochrezepten über Bau- und Strickanleitungen bis hin zu Styling-Tipps reichen. Jedoch dürfen ab heute die Digital Natives endlich behaupten, dass sich im Internet doch nur „alte Säcke“ tummeln. Teenager und Studenten sitzen laut der Studie zwar recht häufig vor dem Bildschirm, aber nur 15 Prozent der YouTube-Nutzer sind jünger als 18 Jahre. Die Mehrheit der deutschen YouTube-Nutzer ist deutlich über 30 Jahre alt, gut vernetzt, konsum- und ausgehfreudig und verdient gut. Fast zwei Drittel (65 Prozent) verfügen über ein mittleres bis hohes Einkommen und in der demographischen Betrachtung überwiegen unter allen YouTube-Nutzern die Männer (57 Prozent) vor den Frauen.

Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass das Internet nur etwas für Einzelgänger ist, spricht die Studie sich für ein sehr ausgewogenes Sozialverhalten der YouTube-Nutzer aus. Natürlich geht die Mehrheit der YouTube-Nutzer (84 Prozent) täglich online und dabei 61 Prozent über ihr Smartphone. Wer einmal jedoch nicht online, fühlt sich schnell von einem wichtigen Teil des gesellschaftlichen Lebens abgeschnitten. Im Vergleich zu diejenigen, die nicht YouTube nutzen, liegt dieser Anteil um den Faktor 2,7 höher. Die deutschen YouTube-User zeigen sich sogar deutlich kontakt- und unternehmungslustiger und gehen 1,4-mal lieber in Restaurants, besuchen 3,3-mal lieber Kinos und 3-mal lieber Live-Events. 38 Prozent der YouTuber kreieren eigene Inhalte in Form von Kommentaren oder Produktbewertungen in Blogs und Foren. Rund die Hälfte von ihnen teilt Weblinks, 40 Prozent teilen insbesondere Videoinhalte. Insgesamt bewerten die YouTube-Nutzer 1,9-mal eher Produkte, Dienstleistungen oder Restaurantbesuche online als Nicht-Nutzer und transportieren so ihre Erfahrungen aus dem Alltag ins Netz. Im Fall ihrer Rolle als Influencer werden YouTube-Nutzer von ihrem Bekanntenkreis fast zweimal häufiger bei Kaufentscheidungen zu Rate gezogen und gelten als die ersten im Freundeskreis, die ein neues Produkt erwerben.

Die YouTube Global Audience Study von Google zeigt endlich, dass die Mär vom digital Native nichts weiter als eine Erfindung der bunten Beraterwelt ist, um das Internet für traditionelle Unternehmen schmackhaft zu verkaufen. Doch daraus wird Pustekuchen, denn die deutschen YouTube-Nutzer zählen zu den älteren Generationen und eben nicht zu den Jungspunten der Gesellschaft. Dieses Ergebnis öffnet somit mehr Spielraum für Unternehmen, sich mit dem Thema Bewegtbild auseinander zu setzen, denn hier finden Sie mit etwas Aufwand den Weg zu ihrer gewünschten Zielgruppe, die sie mittels Targeting deutlich einfacher erreichen können, als wenn sie mit der vollen Breitseite eines klassischen TV-Werbespots zur Primetime abfeuern würden.

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Mike Schnoor

Mike Schnoor ist Senior Partner von Guts & Glory, der Manufaktur für die Digitalisierung von Marken, Unternehmen und Institutionen. Als Berater sorgt er dafür, dass Unternehmen sich im digitalen Wettbewerb hinsichtlich Kommunikation, Prozesse, Kreation und Social Media richtig positionieren können. Seine beruflichen Schwerpunkte liegen in der Digitalen Transformation, Kommunikation, Digital Strategy, Marketing, Public Relations und Social Media. Auf seinem persönlichen Blog mikeschnoor.com und im Magazin #DigiBuzz veröffentlicht er verschiedene Fachartikel zu seinem Themenportfolio. Folge @MikeSchnoor bei Twitter!

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